Vom Hörsaal in den Chefsessel

Damit sich in Mecklenburg-Vorpommern mehr Hochschulabsolventen mit innovativen Geschäftsideen selbstständig machen, hat das Wirtschaftsministerium im vergangenen Jahr ein bundesweit einmaliges Programm aufgelegt. Mit bis zu 1200 Euro werden Absolventen monatlich in ihrer Startphase unterstützt. Und es kommt noch besser: Das Geld muss nicht zurückgezahlt werden.

Wirtschaftsminister Jürgen Seidel, unter Ihrer Führung wurde das Gründerstipendium eingeführt. Wie gefragt ist es denn?
Wir haben bisher elf solcher Gründerstipendien vergeben. Das Programm ist allerdings auch noch nicht allzu lange am Markt, etwa ein dreiviertel Jahr, daher möchte ich diese Gelegenheit gern nutzen um das Programm etwas bekannter zu machen, damit es mehr junge Leute in Anspruch nehmen.

Welche Geschäftsideen werden denn mit dem Gründerstipendium bereits gefördert?
Das Gründerstipendium bekommt zum Beispiel Dr. Tilo Sasse. Der hat sich mit einem Labor für Sport- und Leistungsdiagnostik selbstständig gemacht. Ein anderer Gründer, Andreas Döscher, hat eine individuelle Software zur Datenerfassung mittels Spracherkennung entwickelt. Also diese beiden kommen aus der IT- Branche und der Gesundheitswirtschaft und da zeigt sich schon, dass das wichtige Branchen für Mecklenburg-Vorpommern sind, in denen wir auch mit Existenzgründungen durchaus erfolgreich sind.

Die Gründungswilligen können bis zu 1200 Euro monatlich erhalten. Wovon hängt ab, wie viel sie bekommen?
Die 1200 Euro werden gezahlt, wenn man promoviert hat. Bei mindestens einem Hochschulabschluss kann ein Stipendium in Höhe von 1000 Euro gewährt werden.

Warum werden innovative Geschäftsideen in Mecklenburg-Vorpommern so besonders unterstützt und jemand, der beispielsweise einen Imbissstand gründet, nicht?
Das kann ich plausibel erklären: Wir müssen ein Interesse haben, dass in Mecklenburg-Vorpommern mehr Kapital unter die Menschen kommt. Es muss Kapital von außen in unser Land hineinfließen, um am Ende marktwirtschaftliche Kreisläufe zu verstärken. So sehr ich jemanden schätze, der den von Ihnen genannten Imbissstand aufmacht und damit sein Schicksal in eigene Hände nimmt, aber er verschiebt ja sozusagen bloß Geld hin und her. Also, er macht ein Geschäft mit jemand anderes aus unserem Lande und der macht ein Geschäft mit mir. Dann hat vielleicht der eine ein bisschen mehr, der andere ein bisschen weniger Geld ausgegeben und dafür eine entsprechende Ware bekommen, aber es ist dadurch im Durchschnitt gar nichts passiert im Lande.
Deswegen ist es wichtig, ein Produkt zu entwickeln, das so innovativ ist, dass es möglichst weltweit verkauft werden kann. Dann fließt Kapital von außen in unser Land hinein, was am Ende dazu führt, dass sich die Dinge bei uns im Land positiver gestalten können.
Und ich möchte noch hinzufügen: Es ist besonders wichtig für uns in Mecklenburg-Vorpommern, dass wir Arbeitsplätze entwickeln die zum Beispiel für gut ausgebildete Akademiker Perspektiven darstellen. Das ist der zweite wichtige Grund warum wir Forschung und Entwicklung so stark fördern. Extra deswegen haben wir beispielsweise auch das Programm „Verbundforschung“ aufgelegt. Es ist ausgerichtet auf die vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen im Land. Wir wissen, dass die es mit Forschung und Entwicklung schwer haben, die haben keine eigene Forschungs-Abteilung und der Chef kann sich nicht täglich mit Forschung und Entwicklung befassen. Unser Ziel ist es, die Firmen und die Forschungseinrichtungen, die wir im Land haben, zusammenzubringen. In diesem Programm bezahlen wir den Forscher zu 100 Prozent und das Projekt in der jeweiligen Firma können wir bis zu 50 Prozent unterstützen.

Wer entscheidet, über die Vergabe des Gründerstipendiums?
Es gibt eine Jury und die setzt sich zusammen aus Mitarbeitern des Wirtschaftsministeriums, des Landesförderinstitutes, des Technologieberatungsinstitutes. Wenn notwendig holen wir uns aber auch externe Gutachter dazu.

Wurden denn schon Anträge auf das Gründerstipendium abgelehnt?
Ja, in einem Fall mussten wir das tun.

Was muss in den Antrag?
Wir wollen es so leicht wie nur irgend möglich machen, aber eine gewisse Bürokratie lässt sich einfach nicht vermeiden. Ich kann hier nicht die Hoffnung machen, dass das Gründerstipendium mal einfach so über den Ladentisch geht. Also, wir wollen wissen, wie wirtschaftlich ist das jeweilige Konzept, wie ist das Produkt, gibt es Gutachten die nachweisen, dass es ein besonders innovatives Produkt ist, das auch einen Markt findet. Darum geht es ja letztendlich immer: Dieses Produkt muss seinen Markt finden.

Vielen Dank für das Interview Herr Minister!
Grit Gehlen

Quelle: GRUENDER-MV.DE

News vom: 08.11.09 VON: BIRGIT HAUSCHILD

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